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Radikal satan – el viento del este, agua como peste
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Ich habe noch immer den schweiß auf der stirn! Das zweite release des kleinen labels, ..., ist die insgesamt dritte platte von RADIKAL SATAN. Zwei argentische brüder und ein franzose haben mit „viento del este ...“ ein fordendes stück kammermusik zusammengezimmert.fragmente argentinischen tangos werden mit manisch ausgerufenen spanischsprachigen sätzen kombiniert. Man findet hier neben kontrabass und akordeon noch orgel, drums und jede menge irre samples. Entfern fühle ich mich an „romances“ von john kaada und mike patton erinnert, dass auch so einen geisterhaften charakter besaß. Nur hier werden die geister nicht beschworen, sondern exorziert! Anfangs gibt es meist eine kleine melodie, die kurz darauf durch verrückte stereospielerein oder einen plötzlichen bruch in den wahnsinn getrieben wird. Tod, teufel und alkohol. Alles knarzt, bricht und wackelt, wirkt fragil und fängt plötzlich feuer. Was für ein versoffener höllentrip. // Ox-fanzine januar 2011 (Robert Meusel)
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Ein gezupftes Entree auf dem Bass, mühsam läuft eine Akkordeonlinie hinzu, zwängt sich kräftezehrend auseinander und wieder zusammen. Schleppend stimmt das Instrument fast zum zurückhaltenden Tanz an, bis die Melodie abbricht, verebbt, erneut beginnt. Mit ihrer dritten Veröffentlichung viento del este, agua como, die nun auf Vinyl erschienen ist, verlangen Radikal Satan dem Hörer einiges ab. Geduld und vor allem Fantasie. Nur mit Vorstellungskraft fügen sich Noise-Klänge und Rauschen mit anderen akustischen Fetzen zu fragmentarischen Tableaus, die keine geschlossene Melodie ergeben, aber Bilder erzeugen. Es sind schwarzgallige Tracks, die wie ein klagendes Fado durch die angesengten Sandweiten fegen, wenn zwischen den Verzerrungen wie von weitem dann doch ein harmonischer fetzen weht. Plötzlich auftrumpfende Trompeten und das metallische Peitschen, mit dem das gesprochene Wort energisch eingreift, lassen sich wie Lärm verklungener Schlachten anhören, in denen nur der Tod stets Sieger blieb und seine bleichen Finger in dieser wabernden Wolke aus leisem Lärm ausstreckt. Kakophonische Klangkörper treffen auf sinistren Reigen, aus denen kurzzeitig die Lebenslust herausbricht, monotone Passagen und klägliche Intermezzi schalten auf Interim. Zwischen Bläsertönen erhebt ein Basssolo erst sehnsüchtig, dann lagend die Stimme. Via E-Gitarre meint man in der Ferne post-souveräne Gestalten auszumachen in dieser aufscheinenden Welt, die Szenerien Edward Hoppers mit Road-Movie-Motiven ineinander schiebt. Unter dem Anfall von Leichtigkeit eines E-Pianos zerstiebt die schwermütige Wattedecke dieser emotionalen Wüstung, die dann in jenen trostlos-tristen Schwebezustand des getriebenen Unterwegsseins zurückfällt, mit der die Bewohner der Moderne aufeinander treffen. In der verblichenen Eleganz zieht dieser Totentanz seine gefällig ungefälligen Kreise, künden diese Soundtracks nach dem Untergang fast emotionslos und doch berührend von letzten Dingen. // testcard #20, 2011 (Tobias Prüwer)
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Von harmlos harmonischen Harmonien, die freigeistig durch die Lüfte tragen, zu erdschweren, dreckigen Tango-Taumeleien, die hinterrücks zu Boden drücken. Der Teufel steckt im Tango-Detail, den die Gebrüder Maurice und Cesar Amarante gemeinsam mit dem Trommler Jonathan Burgun an dunkle Weinkeller-Wände lautmalen. RADIKAL SATAN betreiben auf »El Viento Del Este, Agua Como Peste« (Urquinaona Records) verworrenen, weingetränkten Exorzismus und bedienen sich geweihter Werkzeuge wie Kontrabass, Akkordeon und Schlagwerk. Diffuser Doom-Tango lädt zum Umtrunk mit Untoten, Toten und Lebendigen, um bei delirierten Sound-Séancen dem Widerhall verschwebender Lebenskraft zu lauschen. // Skug, 05.01.2011 (Michael-Franz Woels)


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action beat – unbelievable fuck-ups
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Action Beat channeln die frühen Sonic Youth so akribisch wie enthusiastisch und bewahren sich dabei dennoch ihre ganz eigene kaputte Note. Manchmal hilft viel eben doch viel. Zum Beispiel, wenn das englische Noise-Kollektiv Action Beat in frei fluktuierender Besetzung mit drei Schlagzeugen, vier Gitarren und diversen irren Mates auf der Bühne ein Inferno strukturierten Lärms entfacht, dessen Intensität noch den desensibilisiertesten Slipknot-Fan still in die Maskerade weinen macht. Naturgemäß gelingt es nur bedingt, die brachiale Gnosis jener Live-Bacchanalien im Studio zu emulieren. Doch auch zurückgeworfen auf den rein musikalischen Content zeigen sich Action Beat enthusiastisch bis entgrenzt und zelebrieren eine Messe, deren Kirche in einem mythischen, von den Zeitläufen unberührten East Village der 80er steht. Dabei channelt die Band die frühen Sonic Youth mit fast schon pedantischer Akribie. Die disharmonischen Melodiebögen klingen deutlich nach den großen Vorbildern, und auch die zerrütteten Arrangements bergen viel Bekanntes. Allerdings meistern Action Beat dank ihrer ganz speziellen, fast bedrohlichen Kaputtness den Spagat zwischen Quasi-Coverband und zeitgenössischem Noise-Update elegant. // Intro märz 2011 (Ulf Imwiehe)
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Ein weiteres Album der Band, die ihrem Namen alle Ehre macht – diesmal mit weitestgehend unveröffentlichtem Material. Leider hört man immer wieder von gebeutelten Bands, die auf Grund eines defekten Tour-Vehikels statt auf der nächsten Bühne im Nirgendwo landen.
ACTION BEAT können davon ihr eigenes, bitteres Liedchen singen. Unterwegs in Norwegen, mit einem positiven Drogentest der deutschen Polizei inklusive Bußgeld von 1.000 Euro im Gepäck, segnete ihr Bus in Bergen das Zeitliche. Die Reparatur-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten samt Rückreisespesen der acht Bandmitglieder ließen schnell einen Betrag von fast 9.000 Euro auflaufen. Dies nicht als unglaubliche Scheiße zu bezeichnen, fällt sicher nicht nur mir schwer.
Dieses Album enthält also die auf jener Tour entstanden Aufnahmen. Mit flammender Inbrunst vorgetragener LoFi-Gitarren-Noise – Schallwände, aufgetürmt von vier Gitarren, einer Baritongitarre, einem Bass und drei Schlagzeugen. Ich muss sagen, wenn die Jungs angepisst sind, hat das phonetisch durchaus sein Gutes. Die Brut aus Bletchley ist im Frühjahr wieder auf den Straßen unterwegs, diesmal hoffentlich ohne kostspielige Zwischenfälle. // Ox-fanzine Februar/März 2011 (Jenny Kracht)


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Årabrot – Rep.Rep
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Wenn die Jungs aus Oslo so fertig sind, wie das Bandfoto vermuten lässt, na dann prost Mahlzeit! Einen zweiten Anhaltspunkt, dass wir es hier mit ziemlich durchgeknallten Personen zu tun haben müssen, liefert der vorliegende Tonträger. Da wird ohne Punkt und Komma drauf los gekloppt, geschrubbelt und gekreischt, als hätte es die Lehren von Harmonie, Rhythmik und Form nie gegeben. Aufgenommen hat den Spaß Billy Anderson, der auch schon mit den MELVINS, SLEEP, NEUROSIS und FANTÔMAS so einige Noise-Eskapaden durchlebt hat. Für einen anständigen, entsprechenden Sound ist jedenfalls gesorgt. ARABROT spielen doomigen Noise-Rock irgendwo zwischen ungebremsten (unbeherrschten?) Abgedrehtheit von MINUS' „Jesus Christ Bobby" (wenn auch nicht so feingliedrig) und der schrägen, zermalmenden Verspieltheit von von Bands wie LIGHTNING BOLT oder NOXAGT. Eher artsy als punkig, eher verstörend als hip. Die Scheibe ist eine Herausforderung. Aber durchaus zu bewältigen. Fetzt irgendwie. // Ox-fanzine April/Mai 2009 (Konstantin Hanke)
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„True norwegian noise-rock“. So steht es auf dem waschzettel und es ist eine wahre, ernst zu nehmende aussage. Eine warnung an alle da draußen, die mit härte, neurosen, chaos, katharsis, irrsinn, kontrollverlust und lärm im ursprünglichen sinne des wortes nicht so wirklich viel anfangen können: hört da nicht rein. Årabrot, diese drei norwegischen speedfreaks, lassen keine sekunde einen zweifel – dies hier sind die bösen jungs, vor denen dich deine eltern immer gewarnt haben. Die typen mit dem gefährlich pathologischen hang, sich aus dem schlimmsten das schlimme rauszusuchen und dir dann aus einem cocktail aus black metal, sludge, doom, freestyle noise und noise-rock zu kommen, der dir erstmal die luft nimmt. Und dich zappeln lässt zwischen highspeed-geklopfe mit hang zur strukurauflösung. Midtempo-gewummer mit dem unbedingten willen zum möglichst grossen abstand zu klassischer songfunktionalität sowie reinen lärm zwischen feedback und gitarren-quälerei, der gerne auch mal ein paar minuten anhalten darf. Wer dafür nicht bereit ist – finger weg! Die hier hören das wort „kompromiss“ nicht so gerne. Wer hingegen wie meine wenigkeit eine nicht unbeträchliche freude hat an erwähnter härte, sowie an neurosen, chaos, katharsis, irrsinn, kontrollverlust und lärm im ursprünglichen sinne des wortes, sollte hier unbedingt mal ein ohr riskieren.[...] // persona non grata – 2009 (jensor)
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new interview at the guardian


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TROUBLE VS. GLUE – Zum Teufel
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Auch wenn es der Titel dieses Debütalbums anders vermuten lässt – Toni Trouble und Mrs. Glue stammen aus Rom. Die Ureinwohner dieser schönen Stadt kommen bekanntlich mit chaotischen Verkehrsverhältnissen bestens zurecht, gehört es dort doch zum guten Ton, rote Ampeln oder Fahrbahnmarkierungen mit einem diabolischen Lächeln zu ignorieren. Dieses satanische Chaos scheinen TOUBLE VS. GLUE verinnerlicht zu haben. Schräge Keyboard-Sounds mischen sie mit irren Elektro-Geräusch-Samples, einem fast aufdringlich monotonen Drumcomputer und schizophrenem Gesang. Wer es hektisch mag, gehe kurz vor Ladenschluss einkaufen oder besorge sich diesen Musikträger. // Ox-fanzine Februar/März 2011 (Jenny Kracht)

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